Die andere Gegenwartsliteratur

Margot und Klaus Plöger

Die Uhr von Amalfi

Kurzinfo:

 „Das Leben wird geschwinder, mit der Gemächlichkeit ist es vorbei!“ behauptet Zakkarija al-Basri, ein junger arabischer Astronom am Hofe Friedrich des Zweiten. Er will eine Räderuhr bauen, die das Leben der Menschen verändert. Statt nach dem Klang der Kirchenglocken, sollen sie sich nun nach dem Schlag der Turmuhr richten. Einer Uhr mit gleich langen Stunden!

Friedrich dem Zweiten gefällt dieser Gedanke, und an seinem Hof kommt es zu leidenschaftlichen Debatten. Die Philosophen berufen sich auf Aristoteles, die Theologen hingegen auf Augustinus. - Aber nur, wer die Zeit hat, hat die Macht! Also ordnet der Kaiser eines seiner berüchtigten Experimente an. Die Einwohner der Stadt Amalfi haben die Ehre, diese neue Zeit als erste zu erproben. Anfangs noch fasziniert vom tickenden Räderwerk, bemerken die Amalfitaner bald eine schleichende Veränderung. Unerbittlich rückt der Zeiger der Uhr voran. Die Zeit wird knapp und das Leben kurz.

Bald sehnen sie sich nach ihrer alten Zeit zurück. Allein die kanonischen Stunden entsprechen der Schöpfung; nur sie stehen im Einklang mit der Natur und dem jahreszeitlichen Lauf der Sonne. Langsam wächst der Widerstand, angestachelt von der Kurie in Rom. Und in Elias von Agrigent, einem sizilianischen Mönch, findet Zakkarija al-Basri einen gefährlichen Gegner.

Aber auch die Muslime sehen in der Räderuhr eine Lästerung Gottes. Eine Auffassung, die der Kadi von Palermo teilt. Unglücklicherweise hat sich Zakkarija in dessen Tochter, Safija, verliebt. Eine Liebe, die aussichtslos scheint, als Safija mit einem anderen Mann verheiratet wird.

Als sich schließlich Papst Innozenz der Vierte einmischt, kulminiert der Kampf um die neue Zeit in einer Verschwörung. Zwar kommt es am Hofe König Manfreds, dem Sohn Friedrichs, noch einmal zu einem letzten Aufblühen der staufisch-normannischen Kultur. Aber am Ende seines Lebens muß Zakkarija al-Basri erkennen: die Epoche, in der arabische, jüdische und christliche Gelehrte gemeinsam an der Überlieferung des antiken Wissens arbeiteten, ist vorbei. Die Tage der Muslime in Europa sind gezählt.

In der Schlacht von Benevent findet der Konflikt ein tragisches Ende. - Während der Belagerung von Lucera, dem letzten Zufluchtsort der Sarazenen, faßt Zakkarija einen folgenschweren Entschluß. Er schickt sein Manuskript, das sein Wissen über die Räderuhr enthält, auf eine lange Reise.

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