Die andere Gegenwartsliteratur

Margot und Klaus Plöger

Kurzinfo: Der Tod der Zeit

 

Kopenhagen im Jahre 1954. Ein Ethnologe erzählt eine Geschichte, die bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts zurückreicht. Wie ein Schamane setzt er dabei die Gesetze der Zeit außer Kraft und erweckt Menschen, die schon längst gestorben sind, wieder zum Leben.

Einer dieser Menschen ist ein Eskimo namens Utak. Im Jahre 1848 trifft er auf einige Teilnehmer der Expedition Sir John Franklins, die auf der Suche nach der Nord-West-Passage im Packeis gescheitert sind.

Utak, der 'gute' Wilde, ist über das Verhalten dieser schneegesichtigen Wesen bestürzt. Ihre Kleidung verschließen sie mit sonnenglänzenden Scheiben, und ihre Nahrung bewahren sie in dünnwandigen Töpfen auf. Aber die geheimnisvollen Dinge der europäischen Zivilisation verlieren in der eingefrorenen arktischen Welt rasch ihren Wert. Schließlich stößt Utak, der während der Jagd auf den Seehund oft über das schwer faßbare Phänomen der Zeit nachgrübelt, auf eine seltsame Hinterlassenschaft dieser Expedition: er findet einen Marinechronometer.

In völliger Verkennung dieses Instrumentes gelingt es ihm, die Zeit anzuhalten - zumindest bis zum Jahre 1907, als einige Seeleute im nördlichen Atlantik eine aufregende Entdeckung machen.

Der ewige Wunsch der Menschheit: die Herrschaft über die Zeit und damit über den Tod zu gewinnen, erweist sich wieder einmal als schöne Illusion. Und so bleibt am Anfang wie am Ende dieser Geschichte nur das Wort. Aber das Wort überdauert die Zeit und vielleicht auch den Tod.

 

 

 

 

Kurzinfo: Tatata Taa

 

Literatursatire. Ähnlichkeiten mit lebenden (und verstorbenen) Personen der Gegenwartsliteratur sind nicht zufällig.

 

 

Kurzinfo: Die Leichenfahrt des Doktor Guillotin

 

In einer Kutsche folgen vier Ärzte einem Leichenzug zum Friedhof Père Lachaise. Dort wollen sie ihren verstorbenen Kollegen Doktor Joseph Ignace Guillotin begraben. Unterwegs erzählen sie sich die Geschichte der Guillotine: des ungeliebten Kindes der Aufklärung.

Indessen kommt der Trauerzug nur mühsam voran, denn im April des Jahres 1813 liegt das Kaiserreich Napoleons in den letzten Zügen, und die Straßen sind mit Flüchtlingen und Soldaten überfüllt. - In wenigen Tagen werden die alliierten preußischen und russischen Truppen Paris besetzen.

Angesichts dieser Zeitenwende enthüllen zwei der Protagonisten ein schreckliches Geheimnis: sie haben mit den noch lebenden Köpfen der enthaupteten Opfer experimentiert. In einem spannungsreichen Dialog voller Anschuldigungen und Rechtfertigungen halten sich die beteiligten Ärzte jene Experimente vor, die sie im Namen des Fortschritts durchgeführt haben.

Auf diese Weise entsteht im Laufe der Erzählung eine Parabel der europäischen Geschichte, die am Ende einer ihrer 'heroischen' Epochen die Frage nach dem sittlichen Verhalten der Menschen stellt. - Doch wird es den mit den Wendezeiten ihres Jahrhunderts vertrauten Lesern nicht leicht gemacht. Sie werden - ebenso wie die Figuren dieser Novelle - in Zweifel gelassen, ob die Wahrheit dieser Geschichte vielleicht nichts anderes ist als eine gut erzählte Lüge.

 

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